Lolitas Attribute lassen grüßen. Weiße Punkte auf rotem Grund - das kindliche Muster, das auch Bikinis, Slips oder Babydolls ziert - haben vielförmig Besitz genommen von den 'offenen positionen nord', der Galerie des Atelierhauses Nordbahnhofstraße 45. Als Ball, als Täschchen, Haargummi, Puppenmütze, Kinderschuh, gehäkelte Erdbeere oder Fliegenpilz-Kondom tauchen sie auf Fotos und einem Kunstrasen auf. „Ende der Unschuld - Im Gras” heißt die Installation von Ingrid Schütz, die im op nord zusammen mit Ilka Götz und Karin Schlicht Schütz das “Vorspiel” inszeniert, eine Schau, die genauso vieldeutige Werke vorführt, wie ihr Titel vermuten lässt.
Ilka Götz hat etwa unter dem Oberbegriff „mustergültig” Sandkästen und Rutschen auf Amsterdamer Spielplätzen fotografiert. „Mustergültig” sind auch die austauschbaren Orte vor plattenartigen Häuserblöcken: kein Dreck, kein Lärm, keine Kinder. Bei Karin Schlicht gibt es Kitsch statt Leere. Ihre übervollen gescannten Poesiealbumbilder nennt sie „Anleitungen zum Glücklichsein”, ihre geruchsintensive Rauminstallation mit 1250 Speickseifen vor einer Blumentapete und einem Sofafoto wiederholt Großmutters alten Wahlspruch „Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?”
mos
Stuttgarter Zeitung, 4. 6. 2004
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